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Aktuelle Patientenhinweise zu EHEC

24. Mai 2011

Liebe Patientinnen und Patienten, liebe Leserinnen und Leser,

im Hinblick auf die aktuellen Fälle von EHEC-Infektionen insbesondere in Norddeutschland, habe ich Ihnen an dieser Stelle einige Informationen rund um den Krankheitserreger, die Gefahren und insbesondere Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion zusammengestellt:

Was ist EHEC?

Die enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) ist eine Sonderform der bekannteren und harmlosen Escherichia (E.) coli-Bakterien. Im Gegensatz zu den E. coli-Bakterien können EHEC Giftstoffe produzieren, die im Darm freigesetzt werden und Nerven sowie Blutzellen schädigen können.

Die Folgen eines EHEC-Infekts sind meist Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfall. Bei den aktuellen Infektionsfällen tritt jedoch gehäuft ein besonders schwerer Verlauf der Infektion auf: das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS, auch als Gasser-Syndrom bekannt). HUS geht mit Anämie (Blutarmut) und Nierenschädigung bzw. -versagen einher und kann einen tödlichen Verlauf nehmen.

Wie überträgt sich EHEC?

Die Infektion mit dem gefährlichen Erreger kann über verschiedene Wege verlaufen. Dazu zählt insbesondere der Verzehr von verunreinigten Lebensmitteln, vor allem von Fleischprodukten. Auch Milchprodukte und Säfte können mit EHEC kontaminiert sein. Ebenso kann verunreinigtes Bade- oder Trinkwasser sowie der direkte Kontakt mit Tieren, die den Erreger in sich tragen (zumeist Wiederkäuer wie Kühe oder Schafe), zur Infektion führen.

In der aktuellen Infektions-Welle steht auch Rohkost wie Salat und Gemüse im Verdacht, den Erreger zu übertragen.

Schließlich kann der Erreger von Erkrankten übertragen werden, in der Regel durch eine Schmierinfektion. Da der Erreger von den Infizierten über den Stuhl ausgeschieden wird und längere Zeit infektiös bleiben kann, ist hier vor allem das Windelwechseln bei erkrankten Säuglingen und Kleinkindern eine mögliche Infektionsquelle.

Woran erkennt man eine EHEC-Infektion?

Eine Infektion mit EHEC kann symptomlos verlaufen. Dabei wird der Erreger vom Infizierten über etwa 1-3 Wochen ausgeschieden. In diesem Zeitraum ist der Infizierte bei unzureichenden Hygienemaßnahmen eine potenzielle Ansteckungsquelle.

Bei einer Ansteckung kommt es meist nach einer Inkubationszeit von 1-8 Tagen zu Übelkeit, Erbrechen und leichten, wässrigen Durchfällen. Bei schwereren Krankheitsverläufen treten blutige Diarrhoe und schmerzhafte Bauchkrämpfe auf.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf kann es im Anschluss an die Darmbeschwerden (etwa eine Woche nach Beginn des Durchfalls) durch die EHEC-Gifte zu Blutarmut, Gefäßschädigung mit Blutgerinnungsstörungen und zu Nierenfunktionsstörungen kommen. Diese Symptome werden zusammengefasst als hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) bezeichnet. Das HUS kann tödlich verlaufen oder bleibende Gesundheitsschäden hinterlassen (Bluthochdruck, Beeinträchtigung der Nierenfunktion).

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen, um eine EHEC-Infektion abklären zu lassen?

Wenn Sie Blut im Stuhl bzw. blutige Durchfälle haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Symptome untersuchen zu lassen. Auch unabhängig von EHEC gilt:  Konsultieren Sie bei anhaltenden Durchfällen einen Arzt, da mit dieser Symptomatik häufig die Gefahr einer Dehydration einhergeht.

Welche Maßnahmen können bei einer EHEC-Infektion ergriffen werden?

Eine Therapie mit Antibiotika, wie sie in der Regel bei bakteriellen Krankheitserregern angewendet wird, ist bei EHEC-Infektionen problematisch: Durch die Abtötung bzw. Schädigung der Erreger können verstärkt EHEC-Giftstoffe freigesetzt werden.

Ebenso sollte von durchfallhemmenden Mitteln abgesehen werden, da sich durch die Einnahme die Dauer der Bakterienausscheidung und damit Ansteckungsgefahr verlängern kann.

Bei massiven Durchfällen ist es besonders wichtig, den Salz- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Schwere Krankheitsverläufe, insbesondere das HUS, müssen zumeist stationär behandelt werden, so dass auftretende Komplikationen  rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Dabei können Maßnahmen wie Dialyse oder Bluttransfusion notwendig sein.

Wie kann man einer EHEC-Infektion vorbeugen?

Leider gibt es keine Schutzimpfung gegen EHEC. Da die Gabe von Antibiotika problematisch ist und die Krankheit im Wesentlichen symptomatisch behandelt wird, sind Maßnahmen zur Vermeidung einer Infektion umso wichtiger.

Wenn Sie einige einfache und wirkungsvolle hygienische Regeln beachten, können Sie das Risiko einer EHEC-Infektion drastisch reduzieren.

  • Bei der aktuellen Epidemie stehen insbesondere Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen unter dem Verdacht, EHEC zu übertragen. Laut Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums sollten Sie bis auf Weiteres vom Genuss dieser Lebensmittel absehen.
  • Verzichten Sie vorsorglich auf Rohmilch und Rohmilchprodukte, rohes oder nicht ausreichend erhitztes Fleisch sowie nicht ausreichend erhitzte, ungereifte Wurstwaren (z. B. Zwiebelmettwurst), insbesondere wenn sich in Ihrem Haushalt Risikogruppen wie Säuglinge, Kleinkinder, alte oder kranke Menschen befinden.
  • Bringen Sie rohes Fleisch nicht in Kontakt mit anderen Lebensmitteln, da durch den Kontakt Bakterien übertragen werden können.
  • Reinigen Sie sorgfältig Küchengeschirr, Arbeitsflächen und Schneidebretter, die Sie bei der Fleischzubereitung verwenden, bevor Sie diese für weitere Küchenarbeiten einsetzen.
  • Gleiches gilt für die Verarbeitung von Obst und Gemüse, da diese durch Gülle-Düngung ebenfalls mit EHEC kontaminiert sein können: Achten Sie bei der Verarbeitung auf gute Küchenhygiene und reinigen Sie Bretter, Arbeitsflächen und Messer gründlich nach jedem Arbeitsschritt.
  • Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich, insbesondere nach jedem Toilettenbesuch, vor der Küchenarbeit, nach dem Hantieren mit rohem Fleisch oder anderen rohen Lebensmitteln, vor dem Essen und nach dem Umgang mit Tieren.
  • Wenn Ihre Kinder Umgang mit Tieren, insbesondere Wiederkäuern und Wildtieren haben (z.B. im Streichelzoo oder auf einem Bauernhof), sorgen Sie dafür, dass die Kinder dabei keine Finger in den Mund nehmen oder gleichzeitig essen. Auch hier gilt: Nach dem Kontakt mit Tieren die Hände gründlich reinigen!
  • Zur Händedesinfektion unterwegs können Sie auch Fläschchen mit Gel auf alkoholischer Basis für die (Hosen-)Tasche verwenden, die Sie in Drogeriemärkten, Discountern oder Apotheken erhalten.
Posted in Patienteninfos by Felizitas Leitner | Tags: ,